Mit der unter Naturschutz stehenden Linde auf der oberen Walme verlieren die Höringhäuser einen dorfprägenden Baum.
Die Linde soll gefällt werden. Sie ist vom Pils befallen und stellt eine Gefährdung dar. Der Platz, auf dem die Höringhäuser ihre Feste feierten, und auf dem früher 4 Kram – und Viehmärkte im Jahr stattfanden, musste weiträumig abgesperrt werden. Ein neuer Festplatz entsteht im Rahmen der Dorferneuerung auf dem Gelände des Hofgutes.
Wenn alles klappt, soll aber auf der Walme aus Anlass des 50jährigen Bestehens des Spielmannszuges am 04. September wieder eine neue Linde in ansehnlicher Größe gepflanzt werden.
Überliefert ist, dass am 24. Juni 1858 (am Kirchweihtage) das letzte Freischießen auf der oberen Walme stattfand und dass aus diesem Anlass die Linde gepflanzt wurde. Durch zwei Generationen Revierförster Schlag ist überliefert, dass die Linde damals an einer anderen Stelle des Dorfes ausgegraben und an dieser Stelle neu gepflanzt wurde. 1858 haben auch die Wölffe von Gudenberg das Dorf verlassen. Wahrscheinlich hat dies etwas mit dem Erlöschen oder der Auflösung der früheren Schützengesellschaft zu tun. Immer wieder in den vergangenen Jahrhunderten gab es Streit mit den Wölffen um alte Rechte und das Dorfgericht. So kann man in den Höringhäuser Schreiben an die hessendarmstädtische Regierung lesen: „Wir haben Rechte, die kein anderes Dorf hat“ und „wir haben 20 Jahre, 30 Jahre, 50 Jahre, ja sei Menschengedenken immer ein freies Bauerngericht gehabt“. Die Wölffe bekamen natürlich diese Schreiben von der Regierung in „Kopie“. Und sie schrieben zurück: „Was ist das für ein Gericht, es findet in einer Bauernstube statt, die Magd sitzt in der Ecke und spinnt und das Vieh brüllt in den Ställen.
Im Jahr 1924 hatte sich hier ein Kleinkaliber-Schützenverein gebildet, der bis zum 2. Weltkrieg sehr aktiv tätig war, und nach dem Kriege erst als eine Abteilung im Turnverein und dann selbstständig wieder auflebte.
Statt Freischießen haben die Höringhäuser dann sogenannte „Volksfeste“ auf der Walme gefeiert.
Aus den Jahren 1907 und 1912 sind noch Protokolle vorhanden. So gesehen kann man annehmen, dass auch früher das Freischießen alle 5 Jahre gefeiert wurden. Man ließ sich die 2 Tage dauernden Feste etwas kosten. Alle Vereine bildeten einen Festausschuß der die Aufträge vergab und die Aufgaben festlegte. Eine Militärkapelle wurde aus Kassel geholt. Sie war nicht billig. Selbstverständlich hat man auch die Fahrtkosten, sie kam mit der Bahn bis Twiste und wurde dort mit Pferdefuhrwerken abgeholt, die Unterbringung und die Speisen und Getränke übernommen.
1904 wurde die Walme der Schule und 1908 dem Turnverein als Sportplatz zugewiesen und vor dem Krieg gab es nebenan auch eine Badeanstalt.
1938 baute die Gemeinde neben der Linde das Jugendheim. Nach dem Krieg war es bis 1967 Wohnung für Vertriebene, danach übernahm die Feuerwehr und der Spielmannszug das Haus und renovierten es vollständig in Eigenleistung.
1980 weihte der Motorrad – Club Höringhausen sein neues Eigenheim, ein Doppelhaus, mit großem finanziellen Einsatz und Eigenleistung gebaut, am Rande der Walme ein.
2003 bis 2004, mit einer Eigenleistung von ca. 154.000,00 Euro hat die Feuerwehr erheblich dazu beigetragen, dass auf der Walme das sogenannte „Kombiprojekt“, Feuerwehrhaus und Kindergarten, entstehen konnte.
Nach dem Auszug der Feuerwehr hat das Akkordeonorcheser das Jugendheim übernommen und innen aus- und umgebaut. Es heißt jetzt „Haus der Musik“.
Dies alles und 2 schreckliche Weltkriege hat die alte Linde erlebt. Mögen der neuen Linde nur friedvolle Tage beschieden sein.







