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Waldecker Märchenschatz

Unvergessen und unvergesslich sind Märchen. Märchen, die uns von Kindesbeinen an begleiten, denen wir im Laufe unseres Lebens immer wieder begegnen. Sie laden ein zum Erinnern, öffnen Türen zu verlorengeglaubtem Wissen, Können und Träumen.

Märchenstunde

Schloss Waldeck Märchen

Es mag über ein Jahrtausend verflossen sein, seit der Erbauer der Burg Waldeck mit den Hollen, dem Zwergenvolk, das in den Ederbergen, besonders aber tief innen im Schloßfelsen, hauste, über den Burgbau einen Vertrag abschloss. Der Graf von Waldeck versprach Eck, dem mächtigen Herrscher der Ederzwerge, die Bergestiefen unter seinem Schlosse für alle Zeiten zu sicherem Besitz, zu einer ungestörten Heimstatt, wo die Hollen unter Schutz und Hut der Grafenburg in Frieden hausen sollten, solange es ihnen beliebe. Dagegen verpflichtete sich der Zwergenherrscher, die Grundmauern der Burg so felsenfest erbauen und verfugen zu lassen, dass das Schloß niemals sinken oder fallen könne. Zugleich gelobte Eck, in seinem Reiche nach Kräften alles Recht zu hüten und alles Unrecht zu sühnen. Der Eingang zum unterirdischen Zwergenschlosse liegt hinter dem großen Felsen, dem Treustein, von dem die Sage geht, dass er den letzten Schlossherrn von Waldeck unter seiner Last und Masse begraben wurde. Auf dem Treustein halten die Zwerge oftmals zur Mitternachtsstunde ihre Zusammenkunft. Beim Heimgange eines waldeckischen Grafen oder Fürsten schlägt Eck mit seinem funkelnden Hammer aus Edergold dreimal auf den Felsen. Dann wird’s im Nachtdunkel an allen Hügeln und Hängen der Eder lebendig. Zahllose Lichtchen blitzen auf, wie Glühwürmchen, die im Funkenflug durch die Sommernächte schwärmen und schwirren. Es sind die Leuchten der Hollen, die von allen Bergen her Schloß Waldeck zueilen, um ihrem seligen Herrn das Totenamt zu halten. Weithin hellt dann der Schein ihrer Lichtchen das dunkle Edertal. Die Gedächtnisfeier zu Ehren des Entschlafenen beginnt, eine wundersame Stunde im dunkeln Schweigen der Nacht. Nur aus dem Tale herauf klingt leises Wellenrauschen. Lange, lange redet Eck zur lautlos lauschenden Schar. Wenn er am Ende ist, schwören die Hollen ihrem neuen Herrn den Treueid, und nach dem Arolser Schloß hingewandt, rufen sie alle: Sei stets im edlen Streben den hohen Ahnen gleich, So wird, o Herr, den Leben An Glück und Liebe reich. Und wieder klingt dann Ecks Goldhammer dreimal auf den Felsen nieder. Die Lichtchen der Hollen huschen auseinander. Eilig suchen sie wieder die Bergestiefen, ihre Wohnungen auf, ein unzähliges Gewimmel. Auch eine Blume hüten und hegen die Zwerge, die einen schwarzen Stengel, rote Blüten und goldene Blätter hat. Sie wächst in tiefer Waldeinsamkeit und wird unsichtbar, sowie eine Menschenhand sich nach ihr ausstreckt. Nur wenige haben sie gesehen, aber wer auch nur im Vorübergehen ihren Duft geatmet hat, den treibt Heimatsehnen ein Leben lang. Oft geht durch die tiefe Waldesstille ein heimliches Singen und Klingen und Sonntagskinder erlauschen wohl einmal ein leises zauberisches Lied:  Es hegen die Zwerge ein Blümlein Am Schoße der Berge, gar selten und fein, Schwarzzweiglein, rote Blüten und Blätter aus Gold, Ein Blühen und Duften gar wonnig und hold, Wes Seele träumend den Würzeruch trank, Den macht ein Sehnen, ein Heimweh krank, Dem wird in der Fremde das Herze so schwer, Wie Heimruf winkst ihm aus Fernen her. Leis locken die Glocken der Jugendzeit, Und Spiele und Lieder verklingen so weit, Und Wälder rauschen und Quellensang, Die traute Hütte am Bergeshang: Komm wieder zum Dörfchen im Felsengrund, Wirst im Heimatfrieden froh und gesund, Unter den Wassermassen eines gewaltigen Stausees wird bald das schöne, traute Tal versinken. Schloß Waldeck, die alte graue Feste, die drei deutsche Kaiser in ihren Mauern sah, wird weithin berühmt werden, ein Lieblingsziel der Wanderscharen aus allen Landen, die Jahr für Jahr kommen werden, um das neue Weltwunder unserer Tage, den Edersee, zu sehen und wohl auch im Boot sich über seinen Tiefen zu wiegen. Bis ans Ende aller Zeiten aber, wie Windsglockenklingen überm dunklen Flutengrunde, wird noch durch die Wellen zittern leis` ein ewiges Heimatlied. (Oswald König)

Vor langen, langen Zeiten da lebte auf der Burg Viermünden an der Eder ein Ritter gleichen Namens. Auf Kriegszügen im fernen Ungarland hatte ein reiches Edelfräulein kennengelernt, das er sehr liebte. Er nahm es zu seiner Gemahlin und brachte es heim nach Viermünden auf seine Burg. Acht Tonnen feinstes Gold brachte seine Angetraute als Mitgift mit auf die Burg. Sie verbrachten zusammen ein glückliches Jahr in den Ederbergen und das Edelfräulein schenkte dem Ritter ein Knäblein, welches hernach Kurt genannt wurde. Doch starb die Gemahlin des Ritters bei der Geburt des Jungen.

Der Ritter war lange Zeit voll Trauer über den Verlust seiner Liebsten. Nur durch die unablässigen Bitten seiner Verwandten und Burgmannen, er solle doch wieder auf Brautschau gehen und dem alten Edelsitze wieder eine Herrin geben, brachten ihn dazu nach Jahren wieder zu heiraten.

Diesmal wählte er eine Ritterstochter aus dem Hessenland. Auch diese schenkt ihm einen Knaben, welchen sie Hold nannten. Zu seiner großen Betrübnis musste der Rittersmann bald erfahren, dass sein geliebter Sohn Kurt, der schönen Ungarin Kind, seiner neuen Gemahlin von Tag zu tag mehr im Wege war. Hold, ihr eigener Sohn und Liebling, wurde dem Kinde der Fremden bei jeder Gelegenheit vorgezogen.

 

Jahre waren vergangen. Im Gefolge des Grafen von Waldeck musste der Ritter von Viermünden nebst seinem Sohn Kurt, der inzwischen zum Jüngling herangewachsen war, an einem Kriegszug teilnehmen. Wie üblich tat er vor Scheiden seiner Gemahlin seinen letzten Willen kund, wonach dem jüngeren Sohn Hold die Burg Viermünden zufallen sollte, Kurt aber das Erbteil seiner Mutter, die acht Tonnen feinstes Gold, die wohlverwahrt in der Schatzkammer seiner Burg gelagert waren, bekommen sollte. Der Ritter dachte, dass sich sein Sohn Kurt von diesem Gold einmal einen anderen Edelsitz kaufen oder bauen könnte und auf diesem dann in Frieden leben könnte. Beide zogen dann aus zum Kampfe.

 

Nach langen, schlimmen Kriegsjahren war Kurt allein auf dem Weg zur Heimat. Sein Vater, wie auch sein Pate, der Graf von Waldeck, waren gefallen. Er selbst hatte sich Ruhm und Ehre errungen und als Lohn für sein tapferes Verhalten den Ritterschlag empfangen.

Inzwischen war längst seiner Stiefmutter die Kunde vom Tode ihres Gatten zu Ohren gekommen und in ihrer Seele reifte ein teuflischer Plan.

 

Als der Wasserstand der Eder niedrig war, ließ sie den Fluss am Ufer abdämmen und von einem ihr treu ergebenen Diener, den sie durch reiche Geschenke bestochen hatte im Flussbett, nahe dem Ufer ein Gewölbe mauern. An einem Sonntag, als das ganze Burggesinde zu einem Fest in der Umgegend ausgezogen und nur der Mitwisser ihres Planes auf ihren Wunsch hin zurückgeblieben war, versprach sie ihm einen hohen Lohn und die Stelle als Burgvogt auf Lebenszeit, wenn er ihr heimlich all’ die Goldtonnen in das Versteck brächte. Sie fürchtete immer, sie könnten geraubt werden; in dem Gewölbe unter der Eder wären sie aber sicher. Der Diener versprach ihr, alles zu tun, schaffte die Last nach der Eder hinab und wälzte die schweren Goldtonnen in das Gewölbe. Dann wurde es wieder gut verschlossen, Flusssand darüber gebreitet und der Damm durchstochen, dass die Ederwellen wieder über die Wölbung strömten, als wäre nichts geschehen. Ans Ufer pflanzte die Burgfrau eine Tanne, um ihre seltsame Schatzkamme jederzeit wiederfinden zu können. Niemand wusste um ihr böses Vorhaben, nur Gott und der Eck auf dem Treustein, der durch sieben Berge sehen kann. Der ballte die Faust und schwur ihr Vergeltung.

 

Als sie von ihrem heimlichen Werk wieder auf der Burg ankamen, stieß die teuflische Frau dem ahnungslosen Diener einen Dolch in den Nacken, dass er auf der Stelle tot hinfiel. Nun gab es keinen Mitwisser mehr, der ihre Freveltat hätte an den Tag bringen können. Sie selber legte sich Fesseln an, als wäre sie überwältigt worden. Als die fröhliche Schar vom Feste heimkehrte empfing sie sie mit Weinen und Wehklagen und erzählte, Räuber hätten die Burg überfallen, sie selber misshandelt und gefesselt, den Diener, der sich zur Wehr gesetzt, niedergestochen und alles Gold geraubt. Und als eines Tages der junge Ritter Kurt im Burghof einzog, belog sie ihn in derselben Weise und bereitete ihm einen sehr kühlen Empfang. Sie sagte ihm, nach dem letzten Willen seines Vaters hätte er kein Heimatrecht mehr auf ihrer Burg.

 

Voll Kummer stieg Kurt auf sein Pferd und kehrte traurigen Herzens der Heimatburg den Rücken. Er wollte nach dem Schloss Waldeck reiten; aber tief in Gedanken verloren überließ er seinem Ross die Führung und wurde erst aus seinen Sinnen aufgeschreckt, als es an einer Tanne unweit der Eder stehen blieb. Da er sehr müde war, stieg er ab, band sein Pferd an den Tannenstamm und setzte sich im kühlen schatten nieder, um zu rasten. Bald lag er im süßen Schlummer. Im Traum war es ihm, als hört er ein dumpfes Dröhnen und Rollen und wie aus den Tiefen der Erde ein leises Lied:

 

„Wir liebten unsern gnädigen Herrn

Und hatten seinen freund auch gern.

Dem Sohne, der am Ufer ruht,

Dem geben wir zurück sein Gut“.

 

Rasch sprang er auf. Da klatschte etwas in die Ederwellen, dass sie hoch aufspritzte und wie Goldglanz schimmerte es vom Flutengrund; ein Leuchten lag über dem Sandbett des Flusses. Um ihn her war ein geheimnisvolles Huschen und Springen, aber er sah nichts von den Ederzwergen; ihre Hollenhauben machten sie unsichtbar. Neben ihm am Ufer standen sieben Tonnen, bis zum Rand vol Gold. Und wieder begann der wundersame Gesang:

 

„Oh weh, er ist zu früh erwacht,

Nur sieben sind’s, es waren acht.

Die Körner fielen in den Sand

Und fließen bis zum Meeresstrand.

Vom bösen Weib war’s klug bedacht

Doch unser Eck hat treu gewacht.

Sieh hier dein Erbe; nimm es an

Und bleib’ ein wackrer Rittersmann“.

 

Nun begriff Kurt alles. Dem treuen Hollenvolke, das ihm sein Erbe wiedergab, war vor Schrecken über sein rasches erwachen die letzte Tonne entglitten und hatte ihre Goldschätze in die fluten verstreut. Kurt sage den treuen Zwergen vielen Dank und bat sie das Gold im Flusse als ihren Lohn und ihr Eigentum zu betrachten oder Armen damit zu helfen; er habe doch noch genug. Dann brachte er sein Erbe in Sicherheit und kaufte sich später die Burg Nordenbeck. Zur Burgherrin machte er eine waldeckische Gräfin.

 

Unterdessen war auch hold herangewachsen und war ein rechter Taugenichts und Verschwender geworden. Seine Mutter ließ ihrem Liebling immer gewähren, denn sie dachte an den unermesslichen Goldschatz in den Fluten. Als er sein väterliches Erbe bis auf den letzten Heller durchgebracht hatte und wie gewöhnlich in großer Geldnot war, vertraute sie ihm ihr Geheimnis an und erzählte von den Goldtonnen. Auf der Stelle musste sie mit ihm gehen, um ihm den Ort zu zeigen. Er ließ den Fluss abdämmen und das Gewölbe freilegen. Aber als sie den Schlussstein bei Seite wälzten, war das Gewölbe leer und ringsum erhob sich ein helles Hohngelächter. Voller Wut ließ hold seine Mutter in den Burgturm werfen und wurde von Stund’ an ein richtiger Raubritter. Die Leute nannten ihn nur noch den Unhold. Als seine Lehnsherren, den Landgrafen von Hessen, sein tolles Treiben zu arg wurde, ließen sie ihn einfangen und setzten ihn selbst ins Verlies, aus dem sie die arme Mutter bereiten. Kurt vergalt Böses mit Gutem und lud sie zu sich auf die neue Burg, wo sie fortan in Frieden lebte, aber bald verschied.

Die Erbstreitigkeiten zwischen den beiden Häusern nahmen lange Zeit kein Ende. Erst unter Anna von Viermünden wurden sie glücklich geregelt. Aus Dankbarkeit erbaute Anna von Viermünden die Nordenbecker Kapelle.

(Der Ursprungstext, der hier nur an wenigen Stellen bereinigt wiedergegeben wurde, stammt aus: ein Sagenkranz aus dem Waldecker Land von Oswald Koenig und L. Urspruch)

Zigeunern und fahrendem Volk war in früheren Zeiten der Aufenthalt im Fürstentum Waldeck streng verboten. Deshalb waren an den Grenzen des Landes Warnungsstöcke aufgestellt, die die Zigeuner vom Betreten des Landes abhalten sollten. Da gibt es zum Beispiel noch heute in der Gemarkung Adorf- nach Greishagen zu – eine Feldflur mit der Bezeichnung „ Heidenpohl“. Sie erinnert daran, dass hier einmal solch ein Zigeuner- Warnungsstock“ – so die amtliche Bezeichnung- gestanden hat. Warum aber Heidenpohl?  Ganz einfach; weil unsere Vorfahren die ruhelos im Land herumziehenden Zigeuner auch „Heiden“ genannt haben. Zigeuner und Heiden waren für sie ein und dasselbe. Das war für sie so ungefähr der stärkste Ausdruck ihrer Geringschätzung. Wurden trotz der scharfen Verbote Zigeuner im Inneren des Landes angetroffen, erging es ihnen schlecht. Die folgende fürstlich- waldeckische Anordnung aus dem hagre 1722 lässt darüber keinen Zweifel.

„Attrappierte (ertappte) Zigeuner sollen mit Zeichen gebrandmarkt, mit Ruthen gestrichen und über die Grenzen verwiesen werden.

Später war die Behandlung der Zigeuner etwas milder. Man ließ es zu, dass sie sich Lagerplätze suchten, und duldete ihren  Aufenthalt. wenn auch nur für wenige Tage.

Christian Kohl hat uns eine anschauliche Darstellung eines solchen Zigeunerlagers überliefert“ Eines Tages“, so schreibt er „waren sie wieder da, die schwarzhaarigen Zigeuner. Es dauerte nicht lange, da kamen auch schon die Zigeunerfrauen mit ihren Kindern ins Dorf und bettelten um Brot, Eier und Speck und für die Pferde um Hafer und Heu. Wen wir Kinder dann mittags aus der Schule kamen und die Zigeuner sahen, erscholl wie aus einem Mund der Ruf:“ Die Zigeuner sin da“.

 Es waren immer dieselben Zigeunerfamilien, die mit sechs Wagen nach Hemfurth kamen und auf dem großen Gemeinderasen unter den Obstbäume lagerten. Wurde auch die  Bettelei der Zigeunerfrauen oft als lästig empfunden, mit den Zigeunern kam eine romantische Stimmung ins Dorf. Da loderte abends der Schein des Lagerfeuers in die Dunkelheit und spiegelte sich im Wasser der Eder wider. Die Pferde waren mit starken Leinen an die Bäume gebunden und wieherten lau in die Nacht hinein. Um da Lagerfeuer war die ganze  Zigeunergesellschaft versammelt, die Männer mit ihren Musikinstrumenten: Geigen und Gitarren. Sie spielten schwermütige Weisen und die Frauen sangen dazu schwermütige Lieder. Der Zauber dieser Abende am Lagerfeuer zog viele Dorfbewohner an.

Die Zigeuner hatten immer bestimmte Rastplätze. Am liebsten lagerten sie in der Nähe von Flüssen. Dort konnten sie ihre Leben leben, so wie es ihnen gefiel. Auch in unmittelbarer Nähe von Netze haben die Zigeuner Jahr für Jahr ihre Lager aufgeschlagen. Ein Lagerplatz, der gern von ihnen angenommen, befand sich zwischen Netze und Böhne, dort, wo die Steinbach die Straße kreuzt und der Böhner Wald beginnt. Ein anderes bevorzugtes Lager war dort, wo der von Waldeck kommende Weg in den Tannenwald hineinführt und die Steinbach aus dem Wald herauskommt.

Im Jahr 1775 ließ der damalige Netzer Pfarrer, die Zigeuner  zum Abendmahl zu.

Der Pfarrer verfuhr großzügiger und warmherziger als es gut war. Darum überlieferte er auch nicht von den Schrecken des Siebenjährigen Krieges und schrieb nur das unbedingt Nötige in die Kirchenbücher

 Die Reaktion seitens des Konsistoriums war auch entsprechend. Sie lautete:

„ Es ist uns die unerwartete Anzeige geschehen, dass Ihr Zigeuner zum Abendmahl zugelassen habt. Wie ihr aber wissen werdet, dass dergleichen Gesinde unter keinerlei Vorwand und auf keinerlei Zeit einiger Aufenthalt gestattet werden darf und die vor einiger Jahren in dem ganzen Lande publizierte Sanktion euch wohl nicht unbekannt geblieben sein kann, so sehen wir zwar nicht, was ihr euch deshalb zu entschuldigen vermöget, wollen jedoch, was ihr zu eurer Entschuldigung anzuführen wisset, binnen 14 Tagen erwarten. Wonach ihr euch zu achten.

Die Antwort des Pfarrers ist leider nicht erhalten geblieben.

Seine Frau erwartete damals ihr sechstes Kind. Es war der Überlieferung nach bei weitem das schönste unter seinen vier Mädchen. Das war nicht gut, denn als sie 20 Jahre alt geworden war, schrieb ihr Vater ins Taufregister:“ Den 3.Oct. nachts 2 Uhr meiner Tochter Johanna Wilhelmine Elisabeth unehel. Mädlein jung wurden. Der Vater des Kindes ist der regierende Fürst Friedrich. Später strich der großzügige Vater die letzten fünf Worte durch, noch später setzte er Pünktchen unter das Durchgestrichene, noch später schrieb er dahinter“ weiß sie selbst nicht recht“

Ebenso weitherzig und großzügig dachte offenbar auch die Netzer Bevölkerung. Es wird erzählt, dass sich die Zigeuner bei ihren Durchzügen auf ihren Netzer Lagerplätzen besonders wohl fühlten, dass sie dort länger blieben, als es ihnen von Amts wegen erlaubt war, dass die Männer sich unter sie  mischten und sogar mit ihnen ins Wirtshaus gingen. Das wäre in den Nachbarorten nicht möglich gewesen. Dort ließen sich die Frauen wohl aus den Karten die Zukunft lesen, die Männer ließen sich gelegentlich auch auf ein Geschäft ein, aber um übrigen wollten sich mit den „unheimlich- rätselvollen Wesen“ nichts zu tun haben. Die Netzer hatten ihren Spottnamen weg; sie wurden Zigeuner oder auch Heiden genannt.

Es ist schön, dass sich die Netzer zu ihrem Spottnamen bekenne. Sie nehmen ihn von der fröhlichen Seite. Schon seit langen Jahren gehört ein Zigeunerwagen zum der Netzer Kirmes. Ein qualmender Ofen, herabhängende Wäschestücke und sonstiges Drum und Dran geben ihm das gewünschte „zigeunerische „ Aussehen. Und sind sie in fröhlicher Runde zusammen, dann darf auch ihre „Nationalhymne „ nicht fehlen,- das schöne alte Volkslied“ „ Lustig ist das Zigeunerleben“

Eine wahre Begebenheit, um die sich aber viele Erzählungen und Berichte ranken.

Geschützt hinter dem Rücken des Hopfenberges wurden seit vielen Jahrhunderten eine Mühle und ein Fürstlicher Eisenhammer betrieben. Beide wurden vom Wasser der Eder angetrieben, das durch einen langen Mühlengraben um den Hopfenberg herum, den Mühlrädern zugeleitet wurde. Dabei ging ein großer Teil der Wasserkraft verloren. Die Eder und ihre Nebenbäche führen, besonders bei der Schneeschmelze und bei starken Regenfällen- viel Geröll und Schlamm mit sich. Diese setzten sich in dem langsam fließenden Mühlengraben besonders stark ab, und so musst er immer wieder in mühsamer Arbeit frei geschaufelt werden. Für diese schwere Arbeit wurden meistens Sträflinge vom Gefängnis auf Schloss Waldeck eingesetzt. Es waren oft junge Männer, die diese harte Mühe auf sich nahmen: Bis zu den Hüften im kalten Wasser stehend, den belschweren Schlamm hoch zu schaufeln, um sich eine zusätzliche Ration Suppe oder Brot zu verdiene.

Die Sträfliche mühten sich oft tagelang, bis sie den Graben frei geschaufelt hatten und dann geschah es manchmal, dass ein Gewitterregen die Eder anschwellen ließ, dann lagerte sie wieder so viel Sand und Schlamm im Mühlengraben ab, dass alle Mühe vergeblich gewesen war und von Neuem begonnen werden musste. Es wird erzählt, dass sich zwei junge Bergleute immer wieder freiwillig zu dieser Schwerarbeit gemeldet  hätten. Sie waren zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil sie im Streit ihren Steiger erschlagen hatten. Nach einem besonders heißen gewittrigen Sommertag sollen diese beiden Bergleute zu dem Aufseher gesagt haben;“ Hört mal Meister, warum hat man eigentlich früher diesen langen Graben um den Berg herum gemacht? Dann hätte das Wasser viel mehr Kraft, weil es ein höheres Gefälle hätte und es würde sich seinen Graben selbst frei halten.“

Der alte Aufseher bekreuzigte sich und meinte, wer das könnte, das Wasser durch den Berg leiten, der müsst mit dem Teufel im Bunde stehen. Die beiden jungen Bergleute aber, die sich die Sache schon gut überlegt hatten, redeten aufgeregt auf ihn ein:“ Dazu brauchen wir den Teufel nicht, wir sind Bergleute, das machen wir ganz allein, aber wenn wir es schaffen, dann gebt uns unsere Freiheit wieder.“

Wenige Tage später war der Mühlgraben wieder einmal bei einem Unwetter fast zugeschüttet worden. Die Mühlräder standen still und der Eisenvogt und der Müller baten den Aufseher um mehr Arbeiter. Da erzählte ihnen der Aufseher von dem gotteslästerlichen Plan der beiden Bergleute,  von dem Stollenschlag durch den Hopfenberg. Schon wenige Tage später ging ein langer Bericht an den allergnädigsten Landesherren nach Arolsen. In ihm wies  der Eisenvogt nach,  wie oft in den letzten Jahren die Verschlammung des Grabens die Arbeit in dem fürstlichen Eisenhammer behindert und oft auch unmöglich gemacht hatte. Dann beschrieb und erklärte er das kühne Angebot der beiden Bergleute und dass die Arbeit wohl schwer, aber nicht unmöglich sei. Auch die  Bitte der zwei Häftlinge, nach Vollendung der Arbeit die Freiheit zu erlangen, trug er dem Fürsten vor. Nach schweren Bedenken und Rücksprachen mit seinem geistlichen Ratgeber ließ der Fürst die Sache prüfen. Sorgfältig wurde der Berg vermessen. Eingang und Ausgang des Stollens wurden festgelegt, und nach langem Hin und Her, Für und Wider kam endlich die Zustimmung für den Bau des Stollens durch den Hopfenberg. Nur mit Hammer und Meißel, Hacke und Schippe machten sich die zwei Häftlinge ans Werk. Aber der Fels war viel härter als sie gedacht hatten. Oft wollten sie aufgeben, aber dann wieder fasten sie neuen Mut und dachten an die Freiheit, die sie sich erkämpfen wollten und schufteten weiter. Endlich, nach fast sieben Jahren Plagen hörten sie am Klang des Widerhalls ihrer Hammerschläge, dass nur noch ein kleines Stück Felsen zu durchbrechen war. Mit letzer Kragt schafften sie auch das, dann endlich schoss das Wasser der Eder mit großer Wucht durch den neuen Stollen. Die beiden jungen Bergleute hatten nur mit ihren Händen Arbeiten in sieben Jahren einen Stollen von 70 m Länge, 2m Breite und 3 m Höhe durch den Schieferfelsen geschlagen und hatten sich damit die neue Freiheit erkämpft. 1756 wurde der Stollen in Betrieb genommen, die Jahreszahl wurde über dem Eingang in den Stein gemeißelt. Seit dieser Zeit heißen die Gebäude hinter dem Hopfenberg „Stollmühle“. Etwa 150 Jahr lang schoss das Wasser der Eder durch den Stollen im Hopfenberg und trieb die Mühlräder an. Dann wurden die Sperrmauer gebaut und alles versank in den Fluten des Edersees.

Um die Hengstwiese, hoch oben auf dem Lärenberg bei Nieder –Werbe und um den Wallgraben in der Nähe rankt sich folgende Sage.

Hier oben soll einstmals einen große wohlbefestigte Burg gestanden haben, mit hohem Wall und tiefem Burggraben, mit starken Mauern und einem stolzen Turm. Hier hauste der Ritter von der Finkenburg.

Er rühmte sich, ein Sohn des Göttervaters Wodan zu sein, und auch sein Pferd, ein riesiger weißer Hengst, stammte von Wodan s Schimmel ab. Wenn der Finkenburger auf seinem gewaltigen Ross über Berg und Tal dahin stürmte, berührten die Hufe des Tier kaum die Erde, es brauste und  dröhnte in den Lüften, als stürmte die wilde Jagd dahin. Der Finkenburger war ein grausamer und gewalttätiger Herr, er quälte und misshandelte seine Untertanen, bei seinen wüsten Ritten zerstörte er ihre Äcker und tötete ihr Vieh, und wenn ihm ein Bauer in den Weg kam. Schlug er ihn unbarmherzig, und der Arme hatte Glück, wenn er mit dem Leben davonkam. Der Ritter hielt fest an seinen alten Göttern, zu Ehren seines Göttervaters feierte er in jedem Jahr zur Wintersinnenwende das Julfest, sann opferte er eines seiner weißen Pferde in dem heiligen Hain, der Hengstwiese. Wodan selbst erschien dann oft in seiner goldenen Rüstung bei dieser Feier und hielt Zwiesprache mit seinem Sohn. Dann wurde der Eber gejagt, die wilde Reiterhorde tobte durch Wälder und Felder und walzte alle nieder. Vor diesem  wüsten Fest fürchteten sich die Nieder –Werbe Bauern am meisten, dann sie mussten für das große Gelage sorgen, und wehe, wenn dabei etwas fehlte!

Dann kam die neue Lehre, das Christentum, und allmählich eroberte sie das ganze Land. Auch die Untertanen und die Kampfgenossen des Finkenburgers wurden nach und nach Christen.  Wie grausam und unbarmherzig der gefürchtete Ritter auch dagegen ankämpfte, die Schar der Besucher an seinem Julfest wurde immer kleiner, Als ihm auch seine letzten Knechte und Bauern verlassen hatten, und er alte Ritter einsam in deinem heiligen Hain stand, erflehte er von seinem Göttervater die Wohltat, ihn nach Walhalla heimzuholen. Wodan erfüllte seinem Erdensohne diesen letzten Wunsch. Er kam zu ihm herab, und noch ein letztes Mal ritten beide auf ihrem gewaltigem Rossen durch die Täler und über die Ederberge dahin, dass die Erde erbebte. Dann führte Wodan selbst den alten Rittervon der Finkenburg, auf seinem gewaltigen Schimmel zur Götterburg. Plötzlich verfinsterte sich der Himmel, und aus schwarzen Wolken fuhr ein riesiger Spalt in den Lärenberg. Darin versank die stolze Finkenburg mit all ihrer Pracht. Dann schloss sich der Berg wieder, und an seiner Stelle breitet sich seitdem das geheimnisvolle Moor auf der Hengstwiese aus.

Aber in jedem Jahr zum Julfest steigt die versunkene Herrlichkeit aus der Tiefe empor. Der alter Finkenburger besteigt seinen prächtigen Schimmel und reitet wie einst wie der Sturmwind über der Ederberge dahin, dann braust es in den Lüften wie Donnergrollen, und Mensch und Tier verkriechen sich. Im Morgengrauen aber versinkt die ganze Pracht wieder in dem unheimlichen schwarzen Wasser des unendlich tiefen Hengstteich.

Alte Überlieferung nacherzählt von Christian Kohl,

Mitternacht war längst vorbei. Dir Bewohner von Bringhausen lagen im tiefen Schlaf. Nur im Turmgemach der Burg Bring brannte noch Licht.

Dort schrieb Ritter Georg von Bring Zahlen auf ein Papier. Aber diese Zahlen machten ihn nicht froh, verrieten sie ihm doch, dass er wieder einmal tief in Schulden steckte. Was sollte er tun? Die Bauern von Bringhausen peinigte er bereits bis aufs Blut. Da war nichts mehr zu holen. Sie führten ein Lieben in Armut und Not. Wenn der Ritter mit seinen Kumpanen die Nacht durchzechte und der wilde Gesang von der Burg bis ins Dorf dran, dann dachten mit Schrecken an die kommenden Drangsale und Erpressungen.

Warum der Ritter ganz gegen seien Gewohnheiten rechnete? Er hatte sein Reitpferd, ein prächtigen Schimmelhengst, zuschanden geritten.

Das hätte dem kaltherzigen Mann wenig ausgemacht. Aber wo bekam er einen neuen Schimmelhengst her? Zwar hatte er noch andere Pferde im Stall, aber Georg von Brink bestieg kein anders Pferd. Es musste wieder ein Schimmelhengst sein. Und ein Schimmelhengst kostete Geld.....

Viel Geld. Wo aber das Geld hernehmen, wenn Truhen und Kästen leer sind?

Beim Grübeln nach einem Ausweg aus dieser schlimmen Lage trank der Ritter einen Humpen Wein nach dem andere. Der Kopf wurde ihm schwer und schwerer. So öffnete er ein Fenster, um die frische Nachtluft hereinzulassen. Da vernahm er ein Rütteln am Burgtor. Um zu sehen, wird zu solch später Stunde noch Einlass begehre, ging Ritter Georg auf den Burghof. Auf seine barsche Frage, wer sich da draußen herumtreibe, rief eine flehende Stimme:“ Lasst mich hinein, Herr Ritter, seid barmherzig. Ich bin die Wahrsager-Kathrin. Ich habe mich im Walde verirrt. Gebt mir ein Lager für die Nacht. Ich will euch auch gut raten.“

„Scher dich zum Teufel, freches Weib, ich brauche deine Rat nicht!“ schrie erbost der Ritter.“ Aber doch, gnädiger Herr, ihr braucht meinen Rat, und ich will euch helfen, dass ihr wieder zu einem Schimmelhengst kommt.“ Da wurde der Ritter schreckensbleich. Woher wusste dieses Weib, das sein Hengst wendet war? Willenlos schob er den Riegel am Burgtor zurück. Er ließ das Weib eintreten und wies ihm einen Schlafplatz im Stalle an. Dann forderte er es auf, sich am Morgen bei ihm zu melden. Komisch, mit einem  Mal war dem Ritter leichter zumute.

Hatte ihm vielleicht das Schicksal dieses Weib gesandt? Er hatte schon viel von ihm gehört, hatte aber nie an die „Ammenmärchen“ geglaubt. Nun erfüllte ihn brennende Ungeduld. Wad würde das Weibe ihm zu sagen haben?

Sie Sonne stand schon hoch über den Wäldern, als Georg von Bringk erwachte. Eilig sprang er vom Lager. „Führt die Wahrsagerin – Kathrin ins Turmzimmer!“ befahl er undgeduldig. Er brauchte nicht lange zu warten. Schon öffnete sich die dicke Bohlentür und Kathrin stand vor ihm.

„ Nehmt Platz, Kathrin!“

„Danke, gnädiger Herr, ich habe gut geschlafen und das Frühstück war auch gut.“

„Schon recht, Kathrin, aber wir kam es, dass ihr zu so später Nachtzeit noch unterwegs waret?“

„Das will ich euch sagen, gnädiger Her. Ich war beim Herrn von Frankenau, um ihn in einer wichtigen Angelegenheit zu beraten. Immer, wenn ich bei dem Frankenauer Herrn war, wurde ich reich belohnt.

Gestern aber hat er mich schändlich behandelt. Weil meine Auskunft nicht so war, wie er das erwartet hatte, stieß er mich hinaus auf den Hof und hetzte seine Hunde auf mich. Seht meine Rick an, gnädiger Herr, den haben di3e wilden Bestien zerrissen. Seid so gut, gebt mir eine abgelegtes Kleid eurer gnädigen Frau.“

„Schon gut, Kathrin, erzähl weiter!“

„Ja, dann bin ich in meiner Angst in der Wald gelaufen. Ich legte mich auf ein Moospolster und schlief ein. Dann träumt ich von euch, gnädiger Herr. Ihr rittet einen prächtigen Schimmelhengst und waret schön und stolz anzusehen. Plötzlich brach das edle Tier zusammen und war tot. Als  ich wach wurde war es schon spät am Nachmittag. Ich machte mich schnell auf den Weg über die Quernst nach Bringhausen. Da find ich viel Heilkräuter und während ich sie pflücke, habe ich wohl den Weg verloren. Schon brach die Dämmerung herein, als ich immer noch im Wald herumirrte. Plötzlich stehe ich auf dem Langen Driesch und sehe eure Burg, und das Licht in eurem Turmzimmer sah ich auch. Da lief ich schnell zum Burgtor und ich danke euch, gnädiger Herr, dass ihr mich einließet.“

„Schon gut, Kathrin, aber was wollt ihr mir für gute Ratschläge geben?“

„Schließt die Tür ab, Herr, und auch das Fenster, damit uns niemand hört“ Ich weiß, ihr braucht Geld. Ich bin bereit es euch zu verschaffen. Ihr müsst aber genau das tun, was ich euch sage. Ihr wisst, gnädiger Herr, dass im Grund der Eder viel Gold verborgen liegt. Kein Mensch kann es finden. Nur die Wichtelmänner kennen das Geheimnis. Sie haben schon große Mengen Gold in ihren Höhlen am Weißenstein aufgestapelt und immer noch mehr schaffen sie herbei, Sie könnten vielen Menschen aus der Not helfen, aber das wollen sie nicht. Auch sagt man, dass das viele Geld die Menschen nicht glücklich machen würde. Ihr aber, gnädiger Herr, seid klug und weise und werdet von dem Gold den rechten Gebrauch machen. Geht deshalb in der nächsten Neumondnacht zum Fährmann Rienbeck. Der wird euch auf euer Geheiß zum Weißenstein rudern. Müsst aber zur Mitternachtsstunde dort sein. Dann kommen die Wichtelmänner mit Hacken und Schaufeln um in  der Eder nach Gold zu suchen. Aber ihr wisst es ja, die kleine Männlein sind ängstlich und misstrauisch. Deshalb stellen sie am Ufer Späher auf.